Julia Irnich: „Einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten”

29. Mai 2016 | Erfahrungsberichte

Julia Irnich engagierte sich von Oktober bis Februar im Go Ahead!-Projekt  in Mbale, einer 75.000-Einwohner-Stadt im Osten Ugandas. Im Interview berichtet die 22-Jährige von ihren Erfahrungen vor Ort, Höhen und Tiefen im Projekt und vom Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen im Volunteer House.

Was war deine Motivation, dich als Freiwillige in Uganda zu engagieren?

Ich habe mich entschieden, eine Auszeit zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium zu nehmen, und wollte diese möglichst sinnvoll nutzen. Einfach nur zu reisen, kam für mich nicht in Frage. Wenn ich ein Land bereise, möchte ich länger dort bleiben, um die Kultur, die Menschen und das Leben vor Ort kennenzulernen. 2014 habe ich bereits ein soziales Projekt in Guatemala unterstützt. Dieses Mal wollte ich gerne eine andere Region besuchen. So bin ich auf die Freiwilligenvermittlung von Go Ahead! gestoßen, die mir zum Glück kurzfristig ein Projekt ermöglichen konnte.

Worum ging es in dem Projekt?

Das Projekt, in dem ich mich engagiert habe, besteht aus drei Bausteinen: Zum einen gibt es eine Art Vorschule, das International Childcare & Education Centre, welche 2014 von Go Ahead!-Volunteers gebaut wurde. Es gibt zurzeit zwei Klassenräume, wobei in diesem Jahr ein dritter dazukommen soll. Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren werden hier tagsüber betreut, damit ihre Eltern zur Arbeit gehen können. Für sie ist es oft die einzige Möglichkeit, Englisch zu lernen. Das ist sehr wichtig, denn es bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Ich unterrichtete die Kinder im Lesen und Schreiben und unterstützte sie bei der Vorbereitung für die Tests, die sie bestehen müssen, um in die nächste Klasse zu kommen. Der zweite Baustein ist die Betreuung von HIV-Patienten. Viele Betroffene haben kaum soziale Kontakte und schon jeglichen Lebensmut verloren. Wir Freiwilligen unterstützen sie bei ihren täglichen Aufgaben, reden und beschäftigen uns mit ihnen, um ihnen so ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Die Arbeit auf einer Farm stellte den dritten Baustein dar. Kannst du ihn uns näher erklären?

Hier halfen wir zum Beispiel  bei der Kaffeeernte sowie beim Trocknen und Rösten der Bohnen. Eine andere Farm haben wir außerdem durch eine Spendenaktion unterstützt. Einige von uns haben in Deutschland Spenden gesammelt, um neue Hühnerställe bauen zu können, die es ermöglichen, besser mit den Hühnern zu wirtschaften. Die rund 20 Mitarbeiter entwickelten also gemeinsam mit uns ein Konzept für eine effiziente Zusammenarbeit und Bewirtschaftung. Diese Farm soll ein Vorbild für die Community sein. Die restlichen Mitglieder, ca. 2.700, sollen so lernen, ihre eigenen Farmen zu bewirtschaften, um so die Community insgesamt weiterzuentwickeln.

Du hast gemeinsam mit anderen Freiwilligen in einem „Volunteer House“ gelebt. Wie kann man sich das Zusammenleben vorstellen?

Der Alltag im Volunteer House ist sehr ähnlich zu dem Leben in Hostels. Wir waren am Anfang sechs Freiwillige, die alle auf der Farm gearbeitet haben. Zum Glück haben wir uns sehr gut verstanden und haben daher abends oft etwas zusammen gemacht, zum Beispiel gekocht. Am Wochenende kamen auch manchmal weitere Freiwillige, die während der Woche in den umliegenden Dörfern gelebt haben. Wir haben die Zeit dann immer genutzt, um uns über unsere jeweiligen Projektfortschritte und Erfahrungen auszutauschen.

Welche Erfahrungen hast du als besonders positiv empfunden?

Allgemein hat mir Uganda unheimlich gut gefallen. Die Menschen sind sehr nett und herzlich und das Land hat viel zu bieten. Besonders interessant fand ich zudem den Kontakt zu Nathan Muwereza, dem Leiter der ugandischen Organisation ACTS (African Community Team Support), mit dem Go Ahead! hier vor Ort kooperiert. In vielen Gesprächen hat mir Nathan von seiner Motivation zur Gründung von ACTS erzählt. Er kommt selbst aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Seine Eltern konnten es sich nicht leisten, die Kinder zur Schule zu schicken. Da er aber bereits als Kind sehr wissbegierig war, ist er eines Tages einfach mit den anderen Kindern mitgegangen. Nachmittags hat er kleinere Arbeiten bei den Nachbarn erledigt, um seine Schulgebühren bezahlen zu können. Weil sein Lehrer schnell erkannt hat, dass Nathan clever ist, hat er ihn unterstützt und ihm Bücher gekauft. Inzwischen hat Nathan sogar im britischen Cambridge und in Deutschland promoviert und arbeitet an der Universität in Mbale. Ich finde es sehr bewundernswert, wie früh er begriffen hat, dass ihn eine gute schulische Ausbildung weiter bringt und wie er sich heute dafür einsetzt, dass auch die Kinder, deren Eltern die regulären Schulgebühren nicht finanzieren können, im International Childcare & Education Centre unterrichtet und auf die Zukunft vorbereitet werden.

Und welche Erfahrungen als weniger schön?

Viele der Dorfbewohner waren sehr dankbar für unsere Unterstützung. Dennoch haben einige die internationalen Freiwilligen immer wieder um Geld gebeten, ohne etwas dafür tun zu wollen. Das ist sehr schade. Ziel unseres Engagements ist es ja, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Spenden sind natürlich auch wichtig, jedoch müssen wir unseren Aufenthalt hier selbst finanzieren und können daher meist nicht auch noch finanzielle Hilfe leisten.

Was würdest du anderen Menschen, die über einen Freiwilligendienst in Afrika nachdenken, mit auf den Weg geben?

Stellt euch auf die „African Time“ ein. Das heißt: Entspannt euch und macht euch keinen Stress, wenn alles etwas langsamer läuft. Wir Deutschen wollen immer möglichst effizient arbeiten. Hier kann es aber auch schon mal sein, dass man zwei bis drei Stunden „Mittagspause“ macht. Und man muss damit klar kommen, in einfachsten Verhältnissen zu leben – zum Beispiel mit ausschließlich kalten Duschen. Und mit der Tatsache, dass man in so kurzer Zeit nicht alles verbessern, sondern eben nur einen kleinen, aber dennoch sehr wichtigen Beitrag leisten kann.

Interview: Yvonne Gottschlich

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